Umgang mit schweren Lebenskrisen. Zum Beispiel Christopher Reeve

Vorbemerkung

Christopher Reeve als Superman
Christopher Reeve als Superman

Man kann zwischen individuellen Krisen und kollektiven Krisen unterscheiden.

 

Kollektive Krisen werden durch Ereignisse ausgelöst, die eine ganze Gesellschaft in ihren Fundamenten erschüttern und zu tief greifenden gesellschaftlichen Veränderungen führen. Als Beispiel für eine solche kollektive Krise könnten neben der Wirtschaftskrise der Jahre 2008/09 beispielsweise die Terroranschläge auf das WTC vom 11. 9. 2001, der Reaktorunfall im Kernkraftwerk Tschernobyl 1996 oder der Abwurf der Atombombe auf Hiroshima am 6. 8. 1945 gesehen werden.

 

Beispiele für individuelle Krisen habt ihr selbst bereits viele erwähnt. Mit einem Beispiel können wir uns nochmals ein bisschen genauer auseinandersetzen.

Christopher Reeve

Christopher Reeve nach seinem Reitunfall
Christopher Reeve nach seinem Reitunfall

Der Schauspieler Christopher Reeve („Superman“) erleidet 1995 einen Reitunfall. Bei diesem Unfall werden zwei Halswirbel gebrochen. Dadurch ist Reeve vom Hals abwärts gelähmt, er kann nur noch den Kopf etwas drehen, braucht eine Beatmungshilfe und kann sich nur noch mittels Mikrophon mühsam artikulieren. Reeve ist quasi in seinem eigenen Körper gefangen.

 

Wahrscheinlich würde jeder verstehen, wenn Reeve resignierte. Aber nach einer Phase tiefer Depression beginnt er seine Popularität zu nutzen, um sich für die Anliegen von Menschen mit einer Behinderung einzusetzen. Er sagt: „Als ich in die Rehaklinik kam, hatte ich mich dagegen gewehrt, zur Gruppe der Köperbehinderten zu gehören. Aber im Laufe der Zeit begriff ich, dass ich nicht nur dazu gehörte, sondern sogar in der Lage war, einen sinnvollen Beitrag für unsere Situation zu leisten.“ Früher sei ein Held für ihn jemand gewesen, der eine mutige Handlung setzt oder an die Grenzen seiner Möglichkeit geht. Seit dem Unfall sei ein Held für ihn  „ein gewöhnlicher Mensch, der die Kraft findet, sich mit Ausdauer und Beharrlichkeit in einer ausweglos erscheinenden Lage zurecht zu finden.“

 

Im Oktober 2004 stirbt Christoper Reeve an den Folgen seines Unfalls. Seine Hoffnung, dass mithilfe der Gentechnik (Stammzellenforschung) ein Therapieverfahren für querschnittgelähmte Menschen gefunden wird, erfüllt sich zumindest in seiner Lebenszeit nicht mehr.

 

Hintergrundtext über Christopher Reeve

Zum Tod von Christopher Reeve. Ein Held, auch jenseits der Leinwand


Er flog als Weltenretter durch die Lüfte und gab jener Figur Gestalt, die zu den größten Mythen der populären Kultur zählt: Christopher Reeve war Superman. Nach einem tragischen Reitunfall querschnittgelähmt, kämpfte der Star fortan für die Rechte von Behinderten - und wurde zum Helden sozialen Engagements.

 

Christopher Reeve war Superman in dem Sinne wie Sean Connery James Bond oder Marlon Brando der Pate war - ein Darsteller, der ganz mit seiner Figur verschmolz, ein Gesicht, das zur Ikone wurde. 1995 setzte ein Reitunfall seiner Darstellerkarriere ein vorerst jähes Ende. Reeve brach sich den Hals und war fortan vom Nacken bis zur Fußspitze gelähmt.

 

Doch der 1952 geborene New Yorker gab nicht auf und entwickelte jenseits der Leinwand ein wahrhaft heldenhaftes Engagement. So kämpfte Reeve für die Ausweitung der Stammzellenforschung, die nach seiner Überzeugung Querschnittslähmung würde heilen können. Er gründete eine Paralyse-Stiftung und trat weltweit als Redner auf, um Betroffenen Mut zu machen.

Dem Kampf gegen die Behinderung ging Reeve selbst mit heldenhafter Tapferkeit voran. Mit einem strengen Übungsprogramm kam der Star in Armen und Beinen wieder zu Kräften und lernte sogar, stundenweise ohne Gerät allein zu atmen. Eine Elektroschocktherapie schließlich ermöglichte ihm, die Finger seiner linken Hand und die Zehen an beiden Füßen zu bewegen. Am Ende sei er in der Lage gewesen, Berührungen wahrzunehmen und Wärme und Kälte zu unterscheiden. "In der Lage zu sein, eine leichte Berührung zu spüren, ist ein solches Geschenk", erklärte Reeve dem US-Magazin "People".

 

Mit 50 hatte er wieder gehen wollen - ein Traum, der sich dem engagierten Star nicht erfüllte. Dennoch kämpfte Reeve weiter: "Auch wenn mein Körper nicht mehr so funktioniert wie früher - Herz, Verstand und Seele sind davon nicht beeinträchtigt", erklärte der Schauspieler einmal. Seinen enormen Überlebenswillen dokumentierte Reeve auch mit einem Buch. Vielsagender Titel: "Nichts ist unmöglich. Reflexionen über ein neues Leben".

 

Die Rolle des Superman, dazu enorme Tapferkeit und umfassendes Engagement prädestinierten Reeve zur kulturellen Leitfigur. Erst am vergangenen Freitag rühmte John Kerry beim zweiten Rededuell zur US-Präsidentschaftswahl Reeve als seinen Freund und Helden. Als Künstler allerdings beeinträchtigte der Riesenerfolg des Heldenparts den Darsteller. Die vier Superman-Filme zementierten das Bild vom markanten Schönling, der im blau-roten Dress durch die Lüfte saust, ansonsten ar nicht viel zu bieten hat.

 

Dabei war Reeve als Schauspieler durchaus vielseitig, Filme wie "Das Mörderspiel" (1982), "Glitzernder Asphalt" (1987), "Was vom Tage übrig blieb" (1993) oder die Politkomödie "Sprachlos" (1994) stellen dies eindrucksvoll unter Beweis. 1997 führte er sogar Regie ("In der Abenddämmerung"), 2002 feierte er ein Comeback als Darsteller im TV-Remake von Alfred Hitchcocks Thriller "Das Fenster zum Hof". In der US-Fernsehserie "Smallville" verkörperte er einen geheimnisvollen Wissenschaftler im Rollstuhl, der dem jungen Superman mit väterlichem Rat zur Seite steht.

 

Christopher Reeve kann in der Glitzerwelt der Traumfabrik als eine tatsächlich heroische Ausnahmeerscheinung gelten. Statt sich zurückzuziehen, engagierte sich der Darsteller in einem Milieu, dessen Helden meist dem marktgängigen Zuschnitt von Schönheit und Attraktivität entsprechen. Legendär sein Auftritt bei der Oscar-Preisverleihung im März 1996. "Lassen Sie uns weiterhin Risiken eingehen und heiße Themen angehen", erklärte der gelähmte Darsteller damals. "Es gibt keine Herausforderung, egal welcher Art, die wir nicht annehmen könnten."

 

Christopher Reeve erlitt am vergangen Samstag  überraschend einen Herzstillstand und fiel anschließend ins Koma. Er starb gestern in seinem Haus in New York. (Quelle: Spiegel online)

 


Arbeitsaufgaben zum Weiterdiskutieren und Weiterdenken ...

  1. Wie geht es Menschen, deren Leben sich durch einen Schicksalsschlag (Unfall, Krankheit, überraschender Tod eines nahen Menschen...) von einem Tag auf den anderen plötzlich verändert? Wie reagieren Menschen auf solche Situationen? Gibt es eine „Gesetzmäßigkeit“ in der Abfolge der Reaktionen?
  2. Was / welche Werte werden für solche Menschen besonders wichtig werden? Was / welche Werte werden vermutlich an Bedeutung verlieren?
  3. Was würde es deiner Meinung nach bedeuten, zu scheitern? Was wären Beispiele für Scheitern?
  4. Was hilft von Schicksalsschlägen getroffenen Menschen, nicht zu verzweifeln / im Leben wieder einen Sinn zu finden?

  5. Kennst du Beispiele aus der Literatur / aus dem persönlichen Erfahrungsbereich, wo es Menschen geschafft haben, Krisen zu meistern? Kannst du sagen, was ihnen geholfen hat, ihre Krise positiv zu bewältigen?

Internetlinks zu Christopher Reeve